(Bild in Lizenz von Serhii, stock.adobe.com) Wenn es einen Bodenbelag gibt, der zur Verbreitung von klebstofffreien Verlegesystemen beigetragen hat, dann ist es Laminat. Als klassischer Klickboden erlebte es in Neunzigerjahren einen regelrechten Boom. Seine einfache Verlegung nach dem Nut-und-Feder-Prinzip machte es zu einem der beliebtesten Bodenbeläge für Do-it-yourself-Projekte. Nicht von ungefähr fühlten sich die Hersteller von PVC-Böden herausgefordert, die Entwicklung von Klick-Vinylböden voranzutreiben. Diese aus Polyvinylchlorid (PVC) gefertigten Klickböden lösten Laminat nach der Jahrtausendwende an vielen Stellen ab und finden bis heute mehr Absatz.
Grund für diesen Wandel sind zum einen materialbedingte Vorteile von PVC. Zum anderen haben Vinylböden gegenüber Laminat einen entscheidenden technischen Pluspunkt, der sie in der gewerblichen Anwendung etabliert hat: Sie sind auf verschiedene Weise verklebbar. Fest am Untergrund fixiert, eignen sie sich für eine stärkere Beanspruchung und erfüllen dadurch die Anforderungen höherer Nutzungsklassen. Während Laminatböden maximal für stark frequentierte Gewerberäume freigegeben sind, gibt es Vinylböden, die deutlich darüber hinausgehen und sogar im Industriebereich verlegt werden dürfen.
In diesem Beitrag wollen wir der Frage nachgehen, ob Laminat wirklich nicht verklebt werden sollte. Was würde denn passieren, wenn man es versucht? Und gibt es vielleicht Anwendungsfälle, in denen eine Ausnahme gemacht werden kann?
Wie wird Laminat fachgerecht verlegt?
Zunächst möchten wir aber kurz auf die fachgerechte Verlegung von Laminat eingehen: Als Klickboden wird es nicht am Untergrund fixiert, sondern es liegt schwimmend auf ihm. In der Regel liegt noch eine Trittschalldämmung dazwischen. Die einzelnen Laminatstücke werden mithilfe eines Klicksystems miteinander verbunden. Dafür sind keine speziellen handwerklichen Vorkenntnisse nötig. Wer die Verlegeanleitung des Herstellers liest, ist auf einem guten Weg. Die meisten Arbeitsschritte sind Handarbeit. Mit Werkzeugen wie Gummihammer und Schlagholz erfolgt die präzise Fixierung, mit Hand- oder Stichsäge der Zuschnitt der Belagsstücke.
Die Klicksysteme unterscheiden sich nicht großartig in ihrer Funktionsweise. Sie sind im Belagskern integriert und ermöglichen es, die einzelnen Dielen, Fliesen oder Planken sicher ineinander zu verhaken, sodass sie fest miteinander verbunden sind; ganz ohne Klebstoff oder Schrauben. Es entsteht eine geschlossene, stabile Fläche, die sich dennoch frei bewegen kann. Man spricht auch von "Schwimmen". Diese Bewegungsfreiheit ist entscheidend, weil Laminat auf Temperaturschwankungen und Luftfeuchtigkeit reagiert: Es dehnt sich aus und zieht sich wieder zusammen.
Darum wird Laminat nicht verklebt
Würde man Laminat nicht schwimmend verlegen, sondern mit Klebstoff am Untergrund fixieren, könnte es sich nicht ausreichend dehnen und zusammenziehen. Auf Grund seines hohen Holzanteils "arbeitet" es nämlich, wenn es Temperaturwechseln und schwankender Luftfeuchtigkeit ausgesetzt ist. Kann Laminat nicht ungehindert arbeiten, bauen sich Spannungen im Material auf, die zu Wölbungen, Fugenbildung oder gar Rissen führen können. Diese Folgeerscheinungen wären kaum reversibel, sondern würden als dauerhafte Schäden zurückbleiben. Der Boden müsste über kurz oder lang ausgetauscht werden.
Wann darf Laminat verklebt werden?
(Bild in Lizenz von ronstik, stock.adobe.com) Aus den vorgenannten Gründen hört man oft die Aussage: "Laminat wird nicht verklebt!" Das können wir jedoch nicht uneingeschränkt stehen lassen. Es gibt Anwendungsfälle, in denen eine Verklebung von Laminat sinnvoll oder sogar notwendig sein kann. Voraussetzung ist, dass der Hersteller es ausdrücklich freigibt.
- 1 Auf Treppenstufen, Podesten und kleinen Flächen
Hier ist zum einen kein großes Dehn- und Ziehverhalten zu erwarten. Zum anderen würde die herkömmliche Klickverbindung der Beanspruchung nicht gerecht werden. Das Laminat muss also punktuell fixiert werden, um ein Verrutschen oder Ablösen der Belagsstücke zu verhindern.
- 2 Zum Schutz vor Feuchtigkeit
Um einen schwimmend verlegten Laminatboden gegen eindringende Feuchtigkeit zu schützen, kann es helfen, seine Belagsstücke an Nut und Feder miteinander zu verkleben. Der Nachteil ist, dass sich die verklebten Belagsstücke später nicht mehr einzeln entfernen lassen, sondern nur zusammenhängend.
- 3 Um beschädigte Laminatstücke zu ersetzen
Einige Hersteller geben das Verkleben für den Fall frei, dass einzelne beschädigte Belagsstücke ausgetauscht werden. Befindet sich der Schaden nicht im Randbereich, kann das Ersatzelement kaum wieder passend eingeklickt werden.
Die Lösung: Sägen Sie an Stirn- und Längsseite des Ersatzelements vorsichtig die Feder ab. Und tragen Sie dann Laminatkleber (z. B. Weißleim) auf die Längs- und Stirnseite des Ersatzelements auf – sowie auf den Nutseiten der benachbarten Belagsstücke. Anschließend fügen Sie das vorbereitete Ersatzelement an der Reparaturstelle ein und beschweren Sie es so lange, bis die Trocknungszeit überschritten ist.
Verlegetipps
Wer Laminat am Untergrund verklebt, sollte daran denken, dass im verklebten Bereich keine Unterlage verlegt werden darf. Zum anderen sollte er sich der erschwerten Reparaturmöglichkeiten bewusst sein und die Belagsstücke so verlegen, dass sie möglichst lange unbeschadet bleiben. Eine schwimmende Verlegung bleibt in den meisten Fällen die praktikablere und nachhaltigere Lösung. Oder Sie verwenden anstelle eines Nass- einen Trockenkleber. Diese funktionieren meist nach dem Prinzip von doppelseitigen Klebebändern, sodass der Bodenbelag nicht direkt mit dem Untergrund verklebt werden muss. Das erleichtert das spätere Entfernen und mindert auch die Gefahr, dass Rückstände am Untergrund zurückbleiben. (Bild: Counselling, Pixabay)
Laminat an die Wand kleben
Weil Laminatböden mit schönen Dekoren aufwarten, kann man auf die Idee kommen, einige Belagsstücke als Wandverkleidung zu nutzen. Hierzu werden Sie in den Unterlagen unserer Hersteller jedoch keine Verlegeanleitung finden. Für eine Verarbeitung an Wänden möchten diese keine Gewährleistung übernehmen. Falls Sie sich über die Herstellerempfehlung "hinwegsetzen" möchten, empfehlen wir, eine Unterkonstruktion zu installieren und die Laminatstücke darauf zu montieren. Je nachdem, wie großflächig und schwer die Wandverkleidung am Ende wird, ist es besser, sie auf der Unterkonstruktion zu verschrauben. Ein punktuelles Ankleben könnte nicht ausreichen. Zudem sollten Sie die Laminatstücke zunächst am Boden zusammenfügen und dabei in ihren Fugen verleimen. So verbessern Sie die Stabilität des Verbands wirksam. Überlegen Sie rechtzeitig, ob Sie Aussparungen (z. B. für Steckdosen) vor oder nach der Wandmontage aussägen.
Wann darf Laminat nicht verklebt werden?
Außer in den genannten Anwendungsfällen (1. bis 3.) sollte Laminat nicht verklebt werden! Grundsätzlich gilt: Wenn der Hersteller in seiner Verlegeanleitung keine Verklebung vorsieht, sollte diese auch nicht auf eigene Faust vorgenommen werden. Nur so bleiben Garantie- und Gewährleistungsansprüche erhalten.
In den genannten Fällen gilt zudem, dass eine Verklebung auch nur dann zulässig und fachgerecht ist, wenn sich der Untergrund dafür eignet. Definitiv ungeeignet sind Textilböden, andere Klickböden sowie unebene, feuchte und instabile Untergründe.
Vorsicht bei "Klebe-Laminat"!
Sollten Sie im Handel auf so genanntes "Klebe-Laminat" stoßen, das direkt am Untergrund verklebt werden kann, dann verbirgt sich dahinter in der Regel kein echtes Laminat. Wahrscheinlich handelt es sich um einen selbstklebenden Vinylboden. Diese Bodenbeläge haben einen ganz anderen Materialaufbau als Laminat, verfügen aber ebenfalls über eine Dekorschicht. Für Außenstehende ist dadurch kein offensichtlicher Unterschied zu Laminatböden zu erkennen. Sie erhalten anstelle eines Laminats aber einen Kunststoffboden, der zudem Nachteile in puncto Stabilität, Belastbarkeit und Fugenbildung hat. Wir empfehlen in dem Fall, lieber einen selbstliegenden Vinylboden in Betracht zu ziehen.